Der Google Zoo – Panda, Penguin, Hummingbird & Pigeon

Andreas Baimler
Der Google Zoo - Panda, Penguin, Hummingbird & Pigeon

Du fragst dich sicherlich was Tiere bzw. Tiernamen mit Online-Marketing oder der Web-Entwicklung zu tun haben. So unwahrscheinlich es auch klingen mag, aber Panda, Pinguin, Hummingbird und Pigeon haben sogar sehr viel mit Online-Marketing zu tun. Google hat seine letzten wichtigen Algorithmus Änderungen nach diesen vier Tieren benannt. Was das nun für dich als Webseitenbetreiber bedeutet und worauf du besonders achten musst, erfährst du in diesem Artikel.

Suchmaschinen Algorithmen basieren auf simplen Prämissen, Suchende wollen eine Antwort auf ihre getätigte Suchanfrage. Für jede Suche existieren tausende von Webseiten, die eventuell relevante Informationen zur Suchanfrage anbieten. Für das Ergebnis müssen Suchmaschinen nun drei Ziele erfüllen:

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  • alle Webseiten herausfiltern, die keine relevante Inhalte bieten
  • eine Liste mit allen Webseiten erstellen, die relevante Inhalte liefern
  • die entstandene Liste nach Wichtigkeit ordnen und priorisieren, um die Webseite zu ermitteln, welche den relevantesten Inhalt liefert

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Weil dies nicht nur mit einem Kriterium erreicht werden kann, verwenden Google und andere Suchmaschinen komplexe Algorithmen mit einer Vielzahl von Faktoren um das beste Suchergebnis liefern zu können. Die genaue Formel bzw. der exakte Algorithmus ist nicht bekannt, allerdings hat die Vergangenheit einige Punkte offen gelegt, die sehr wichtig zu sein scheinen:

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  • Link Authentizität: Anzahl von eingehenden Links, die Qualität der Webseiten, die benutzten Ankertexte
  • On-Page Faktoren: der Title-Tag, ist die Webseite responsive, die Ladegeschwindigkeit der Webseite
  • Markenbekanntheit: Suchvolumen der Marke, Erwähnungen der Marke, Zitate der Marke im Zusammenhang mit bestimmten Keywords
  • Inhalt: Qualität und Tiefe des bereitgestellten Inhalts, Frequenz der Veröffentlichung von neuen Inhalten, Interaktionen in Sozialen Medien

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Gerade wenn du denkst, du hast endlich die spezifischen Details des Google-Algorithmus so einigermaßen im Griff, solltest du immer daran denken, dass der Algorithmus sich ständig ändert. Nicht nur mit großen Algorithmus-Updates, die komische Tiernamen haben, sondern auch kleine ganz einfache Änderungen, die Tag-täglich passieren, können viel verändern. Wenn du die historischen Trends und die Art, wie der Algorithmus weiterentwickelt worden ist, verstanden hast, hast du die besten Voraussetzungen als Webseiten-Betreiber eine Strategie zu entwickeln um langfristig gute Platzierungen zu bekommen. Wenn du einen noch tieferen Blick in die Suchmaschinen Rankingfaktoren werfen möchtest, findest du bei MOZ die jährlichen Umfrageergebnisse der Ranking Faktoren. Außerdem hat SISTRIX eine Historie aller dokumentierten Google Updates sehr übersichtlich zusammengestellt. Wenn du auf der Webseite deine Domain einträgst, kannst du sogar prüfen, wie sich der SISTRIX Sichtbarkeitsindex in der Woche als das Update veröffentlicht wurde, verändert hat.

 

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Der Panda, der relevante Inhalte fordert

Im Frühjahr 2011 begann der Spaß mit dem ersten Panda Update, welches mit der Zeit immer wieder einzelne kleine und große Aktualisierungen bekommen hat. Das Google Panda Update wurde entworfen um die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern, indem Webseiten mit minderwertigen Inhalten eine Abstrafung bekommen. Dieses Update war eine Reaktion seitens Google auf altmodische SEO-Taktiken, die zwar Besucher auf eine Seite gebracht haben, aber keine relevanten Informationen oder Inhalte bieten konnten. Mit dem Panda Update wurden somit hauptsächlich On-Page Themen behandelt und bei nicht Einhaltung der Richtlinien abgestraft. Hauptsächlich handelt es sich hier um duplicate content und keyword stuffing, also um doppelte Inhalte und das anhäufen von Keywords in einem Bereich der Webseite. Der Panda hat dazu beigetragen, dass das Content-Marketing mit einem Fokus aufs Bloggen und qualitative Inhalte sehr populär wurde. Zu dieser Zeit ist auch die Aussage [su_label]“Content is King“[/su_label] entstanden. Außerdem wurden mit dem Panda-Update einige Richtlinien etabliert, die die Rechtschreibung und Grammatik, Plausibilität, Benutzernutzen und die gesamte Glaubwürdigkeit der Webseite betreffen. Seit dem Start wurde der Panda mit einigen Updates erweitert, allerdings haben die zuvor genannten Faktoren nicht an Wichtigkeit verloren.

Matt Cutts, der Quality Manager für die Suchergebnisse bei Google, sagt zu dem Panda Update

[su_quote cite=“Matt Cutts“]Dieses Update wurde entwickelt um Rankings mit weniger relevanten Inhalten zu verringern – Webseiten welche nur einen geringen Nutzen für Besucher haben, die Inhalte von anderen Webseiten kopieren oder Webseiten die nicht nützlich sind. Zur selben Zeit sollen allerdings Webseiten mit qualitativen Inhalten bessere Rankings bekommen – Webseiten mit originellem, einzigartigen Inhalten und Informationen wie Studien, tiefgehende Berichte, ausführliche Analysen und so weiter.[/su_quote]

Google stellt im Juli 2012 eine Reihe von Fragen bereit, an denen Webmaster prüfen können, ob ihre Webseiten im Rahmen der Qualitätsrichtlinien der Suchmaschine liegen. Anhand dieser Fragen kann schnell eine Gefahr identifiziert werden, durch das Panda-Update eine Abstrafung zu erhalten.

 

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Der Penguin, der jeden Link genau unter die Lupe nimmt

Der Penguin, zu Deutsch Pinguin, ist dem Panda dicht auf den Fersen. Das Penguin Update wurde im zweiten Quartal 2012 von Google als direkte Reaktion auf unterschiedliche Black-Hat Link-Taktiken erstmals ausgerollt. Neben der Vervollständigung der Panda Qualitäts-Richtlinien war das eigentliche Ziel des Penguin-Updates sogenannte Link-Netzwerke zu identifizieren. Dabei handelt es sich um kleinere Webseiten als auch um Webseiten-Netzwerke, die Links verkaufen, gekauft haben oder allgemein am Spamming beteiligt sind. Dieses Update erfordert nun von Webseiten Entwicklern und Betreuern ein unglaublich wachsames Auge auf die Qualität der erhaltenen Backlinks und den Inhalt ihrer Off-Site Aktivitäten.

Falls eins der folgenden Kriterien auf deine Webseite zutrifft, könnte es sein, dass du mit einer Penalty aus dem Penguin Update betroffen bist.

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  • überoptimierte eingehende Links (genaue Übereinstimmung der Anker-Keywords und der bezahlten Text-Links, bspw. AdWords).
    • Mehr als die Hälfte der Ankertexte aller Links sind mit Keywords Zielen verbunden (vs. den eigenen Brand Namen, Webseiten URL oder Variationen davon).
    • Exakte Übereinstimmung der Ankertexte und Phrasen, welche 10 oder mehr Prozent des Traffics von Inbound Links ausmachen.
  • Links von Artikeln oder anderer Art von Marketing Seiten (z.b. Gastbeiträge) mit dünnen Inhalten und einem exakten Ankertext im Link zurück zu deiner Webseite.
  • Gegenseitige Verlinkung mit Branchenbüchern wo Partner Links gehandelt werden und Links mit geringer Qualität entstehen. Somit sind sie von Seiten, die für die eigene Branche, Unternehmen, Produkt oder Nische nicht relevant.
  • Spam Keywords aus Kommentaren, Benutzernamen, Seitenüberschriften und Links aus Footern.

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Der Hummingbird, der mobile Webseiten mag und etwas Künstliche Intelligenz besitzt

Der Hummingbird, der exotische Vogel Kolibri, ist eine weitere Ergänzung zum Panda und zum Pengiun. Ende 2013 veröffentlicht Google das Hummingbird-Update, dieses hat die Aufgabe zwei bedeutsame Bereiche zu kontrollieren: Zum einen stellt der Kolibri die Frage, ist die Webseite fähig sich an Mobilgeräte anzupassen? Zum ersten Mal wurde das Design einer Website als Kriterium hinzugezogen. Die Bedeutung mit welchem Gerät ein Besucher auf der Webseite sucht, nimmt stets durch die Vielzahl der unterschiedlichen Geräte zu. Dadurch wurde der Grundstein für ein sogenanntes Mobile-First vorgehen gelegt, also die Entwicklung von Webseiten und Web-Applikationen zuerst für die Mobilen Endgeräte. Die zweite und wahrscheinlich sogar spannendere Aufgabe des Hummingbird war die Einführung der sogenannten kontextualen Suche. Dadurch werden nun semantische Signale ausgewertet (natürliche Sprachinterpretation einer Suchanfrage vs. einer strengen Definition entsprechend eines Keywords „exact match“). Google sucht nun nicht mehr nach dem relevantesten Begriff in der Suchphrase, sondern hat nun damit begonnen die Beziehung der eingegebenen Suchwörter zu berücksichtigen, um Kontext interpretieren zu können. Dabei werden nun auch die Such- und Surfhistorie, soziale Signale, ähnliche Suchanfragen für Personen, Orte und Ereignisse mit bewertet und zur Ausgabe der Suchergebnisse hinzugezogen. Somit sind nun die persönlichen Suchergebnisse noch spezifischer auf den einzelnen Suchenden abgestimmt. Ursprünglich ist dies mit dem Knowledge Graph gestartet und wurde durch Google Now weiter verfeinert. Es ist so gesehen eine Art oder eher Grundfunktionalität von künstlicher Intelligenz.

 

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Der Pigeon, der sich überall lokal auskennt

Der Pigeon, die Taube, ist der jüngste Mitspieler im Google Zoo, welcher sich nur um lokale Suchergebnisse befasst. Im Jahr 2014 ins Leben gerufen, verbindet der Google Pigeon Webseiten- und Karten Suchanfragen, sodass beispielsweise nach einer Dienstleistung mit einem Ort gesucht wird, die Ergebnisse auf einer Karte zusätzlich dargestellt werden. Weil die Keywords, die bei diesem Update betroffen waren, sehr weit gefächert sind, gab es genau soviel Gewinner als auch Verlierer in den Suchergebnispositionen. Sehr stark hat es kleinere Unternehmen bzw. Unternehmen mit einer eher kleinen Internetpräsenz und Sichtbarkeit getroffen. Nach dem Pigeon Algorithmus Update waren auf einmal die Unternehmenseintrage in Branchenbüchern oder Bewertungsportalen besser bewertet, somit hatten sie eine bessere Platzierung als die eigene Webseite. Weiterhin hat es auch einige Kategorien von Webseiten getroffen, bspw. Immobilien- oder Job-Angebote mehr als welche aus der Gastronomie. Lokale Suchergebnisse haben jedoch weiterhin sehr große Schwankungen seit Juli, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass Google unterschiedliche Pigeon-Updates ausprobiert oder eben an einzelnen Faktoren davon dreht.

 

So viele Updates… Aber warum das ganze?

Du fragst dich jetzt bestimmt, wofür so ein Aufwand betrieben wird? Warum die Algorithmus Updates Tiernamen haben, kann ich leider nicht beantworten. Ich denk mir einfach, jedes Kind braucht einen Namen und der Verantwortliche, eventuell sogar Matt Cutts selbst, war zuvor im Zoo und fand eben Panda, Pinguin, Kolibri und Taube als passend. Allerdings ist damit die Frage nach dem Grund noch nicht geklärt. Der Grund ist eigentlich so banal wie auch einfach, nämlich das Suchverhalten der Internetnutzer. Dieses hat sich in der letzten Zeit sehr verändert, unter anderem weil die Möglichkeit, das Internet quasi in der Hosentasche mit zu tragen, hinzugekommen ist. Konsumenten tippen nicht mehr nur Suchphrasen in ein Eingabefeld, sondern suchen mit Hilfe von Siri (iPhone Besitzer) oder von Google Voice (Android Besitzer). Außerdem werden Empfehlungen von Freunden in Sozialen Medien (Facebook, Twitter oder Google Plus beispielsweise) angefragt oder es wird einfach in einer mobilen App nach Informationen gesucht.

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Andreas Baimler
Andreas Baimler

... ist ein Visionär, Analytiker und Denker, außerdem Inhaber von SEMango. Auf dem Blog veröffentlicht er aktuelle Gedanken und Geschehnisse aus der Online-Welt. Besonders aus den Bereichen Online-Marketing im Bezug auf Suchmaschinenoptimierung, Web-Entwicklung und allg. Themen rund um das Thema Webseite. Er greift dabei auf über 10 Jahre Online- und Programmiererfahrung zurück und möchte stets sein vorhandenes Wissen teilen und sich neues aneignen.

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